Ich neige zur Ungeduld, besonders bei Regatten. Schwachwindregatten sind nichts für mich. „Das wird heute mühsam“, sagte ich zu meiner Mitseglerin Astrid, sozusagen als Warnung für meine schlechte Laune auf dem Kurs. Die Uhr piept, noch zwei Minuten bis zum Start.

Ich drehe den Bug Richtung Startlinie und merke, dass ich viel zu weit weg bin. „Fängt ja gut an“, denke ich mir, „Spätstart und kein Wind. Und dann noch kein Spi bis zur ersten Tonne“.  Wieder ein Tonsignal vom Startschiff, noch eine Minute, ganz langsam geht es weiter Richtung Startlinie. Gerade als ich denke: „Die ersten müssen ja schon über die Linie sein“, ertönt das Startsignal.

Als ich über die Startlinie komme, ist er plötzlich da. Wie angeschaltet. Sofort kommt mehr Fahrt ins Schiff.  Raumschots konnte man direkt auf die Tonne zulaufen. Schnell zeige die Logge 7 Knoten. Plötzlich vor der Tonne war ich mitten im Pulk.  Einige Boote an Backbord hatten Innenbahn, die Boote an Steuerbord mussten mir das Wegerecht lassen. Der eine oder andere luvte an, eine kleine Berührung mit der 103jährigen Maharani ließ sich nicht vermeiden, aber ich hatte keine Chance, auszuweichen.

Nach der Tonne ging’s dann auf einem Bug Richtung Seebruck. Der Wind kam von Backbord, so zwischen 70 und 900. Kurz vor Gollenshausen kam er dann etwas mehr von achtern, ich versuchte, den Spi zu setzen. Aber der Wind legte zu und kam wieder mehr von vorn. Also wieder runter mit dem vielen Tuch. Doch der Wind lachte sich eins. Er grinste mir direkt ins Gesicht: „So viel Anmaßung muss bestraft werden“, schien er zu sagen und krachend riss das Tuch aus den Lieken. Ich konnte nur noch die Trümmer bergen. „Das hat uns ganz schön Zeit gekostet“, sagt Astrid. Ich schwieg mißmutig, denn sie hatte Recht.

Halse vor Seebruck. Dann das nächste  Problem, die Genua-Schot hatte sich unterm Spi-Baum verklemmt. Also Genua noch mal lösen, Astrid geht nach vorn, um die Schot zu lösen. Zu zweit auf einem 29-Fuss Dickschiff ist das alles eine ganz schöne Plackerei.

Nach der Tonne in Feldwies war dann Kreuzen angesagt. Hier können wir noch etwas gut machen, aber das Rennen ist für uns gelaufen. Ganz vorn sind wir nicht mehr dabei. Nach knapp drei Stunden überqueren wir die Ziellinie. Das reicht am Ende nur für Platz 11 in der Gruppe, aber wir sind es trotzdem zufrieden.

Das erste Schiff, ein C-Cat mit Reinhard Egner war schon nach einer Stunde und 26 Minuten im Ziel, sein Bruder Robert folgte ca. 5 Minuten später. Eine halbe Stunde passierte nix, dann kamen die Asso’s . Mitten unter ihnen auch der letzte Mehrrümpfer, der große Eigenbau-Trimaran von Alex Neumayer.

Alles in allem war es ein Super Segeltag, an Land sah man nur fröhliche Gesichter. Das war eine Regatta, auf der Geschichten geboren werden, die man noch lange am See erzählen wird.

 

 

 

 

 

 

 

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