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Endlich ist die Chiemseemeisterschaft abgeschlossen, endlich können wir wieder „ganz nomal“ Genusssegeln (man beachte: ein Wort mit dreifachem S!) ohne „Raum“ brüllen oder geben zu müssen. [Na ja, Vorfahrtsregeln gelten auch weiterhin im normalen Segleralltag]. Endlich müssen wir nicht dauernd Höhe laufen und gucken, was die Konkurrenz macht. Endlich einfach drauslossegeln und spontanen Eingebungen folgen: Der Weg sei das Ziel. Endlich ist der Zeitverlust mal egal, wenn bei der Wende Fock oder Gennaker hängen bleiben oder der Spi die Zeit ansagen will. Endlich, endlich, unendlich ...
Gleichzeitig macht sich -heul- Schwermut breit, denn ohne die Chiemseemeisterschaft-Serie wären wir an so manchem Wochenende wohl bei widrigen oder keinen Segelbedingungen nicht aufs Wasser gegangen, hätten  keine morgendlichen Regenbögen bestaunen können, hätten keine Fata Morgana über dem spiegelglatten See gesehen und hätten so manches philosophische Gespräch von Boot zu Boot nicht geführt. Wir hätten nie unsere Leidensfähigkeit austesten können, hätten nie erfahren, wie schmerzhaft am Abend ein Sonnenbrand sein kann (Sonnencreme vergessen) oder wie desorientiert ein dehydrierter Segler ist (Trinkflasche vergessen – übrigens: im Notfall täte es auch Chiemseewasser). Das wäre überhaupt ein interessanter Flautenzeitvertreib: Wenn jeder der 200 Regattasegler 2,5 Liter Chiemseewasser tränke, um wieviele Millimeterbruchteile sinkt der Wasserspiegel?  Inwieweit und ob überhaupt beeinflusst gleichzeitig das höhere Gesamtgewicht des Bootes und die resultierende Verdrängung den Wasserstand? Fragen über Fragen, die fast keinen interessieren.
Weg mit den trüben Gedanken! Gerade die letzte Regatta beim SCBC hat zum Wettfahrtende hin gezeigt, dass der Chiemsee gelegentlich Mitleid mit den Seglern hat und einen wettbewerbstauglichen Wind anbieten kann, wenn er denn will. Wahrscheinlich sind viele Segler nicht brav gewesen und haben nicht aufgegessen, deswegen werden sie -und alle anderen aber auch- mit Flaute gestraft. Also an alle Betroffenen: In sich gehen (auch wenn's da drinnen gelegentlich scheußlich aussehen mag), dann gibt’s nächsten Jahr bestimmt mehr Wind.
Der Wind am Chiemsee – überhaupt so ein Thema im Hinblick auf die Chiemseemeisterschaft: Schon der Auftakt beim YCU war symptomatisch und wiederholte sich mehrfach: Ausreichend Wind beim Start, dann Dreher bis zum Schwindligwerden mit anschließender Flaute, zum Ende hin gab's dann einen netten versöhnlichen Windbonus; ähnlich „windig“, aber etwas beständiger, war's beim Weitseerennerts des WVF.

Die Segler des CYC und SRV essen offenbar immer brav auf und werden von Rasmus belohnt: Das Blaue Band des CYC knatterte zeitweise in Böen von 4 bft oder sogar mehr, auch die Hafentrophy des SRV bot mit einem 3er Wind plus gelegentlichen Böen herrliche Segelbedingungen.
Die Sommerregatta des SCPC war dagegen anfangs von sehr wenig Wind geprägt. Ich hatte angeregt, gleich nach der ersten Tonne (Herreninsel Südwest) die Wettfahrt abzukürzen, fand aber kein Gehör. Der Wind bezog dann Up-and-Down auf sich und sorgte für Bahnabkürzung. Auf den letzten Segelmetern vor der Ziellinie erinnerte sich Rasmus dann wieder, wie Wind geht und sorgte auf dem Vorwindkurs mit 5 bft für manche Panikattacke.
Und auch zu Beginn der Feldwieser Langstrecke versprach der weihnachtlich ruhende See („still und starr“) kein Segelvergnügen. Der Wind reichte gerade so zum Start und ließ dann stark nach, die WL erbarmte sich und kürzte ab. Und was uns Seglern bei mancher Regatta fehlte, gab's nach Abbruch der Wettfahrt wegen Sturmvollwarnung im Übermaß: Wind bis 37 kt ( 8 bft) fast aus dem Nichts. Nach einer halben Stunde war alles vorbei und ein herrlicher Segelwind unter einem blau-weißen Himmel stimmte versöhnlich.
Beim abschließenden 3-Buchten-Törn des SCBC waren von der WL 11 kts versprochen, aber für die gesamte Regattadauer und über das „wo“ schwiegen sich die Verantwortlichen aus. Kurz nach dem Start stand das Feld zwischen Frauen- und Krautinsel, trieb dann weiter zur Feldwies-Boje und erst eine Stunde vor dem nahenden Wettfahrtende nahm auch der Wind Fahrt auf; trotzdem wurde die letzte Regatta der Serie für viele Teilnehmer wegen Zeitüberschreitung zum Streichergebnis. Auch hier wieder tröstlich: Nach Wettfahrtende gab's beständigen Segelwind.

Rückblickend waren die Windbedingungen vor allem beim Blauen Band des CYC und bei der Hafentrophy des SRV eine seglerische Herausforderung; trotzdem ist überraschend, dass auf den vorderen Plätzen auch bei Flautenschieberei immer die gleichen „Verdächtigen“ auftauchen und es in diesem Jahr auf den ersten 13 Plätzen in der Punktewertung sehr eng zugeht.
Dass die Buchners (Bavaria speed) sich den Luxus leisten können, einen 1. Platz und einen 2. Platz zu streichen ist bei diesen Windverhältnissen erstaunlich. Auch Daxenberger (Maxi) hat nach Streichern 5 Punkte ebenso wie Froelich (Tempest), dem ein DNC in der Wertung den zweiten oder gar ersten Platz verdorben hat. Dem Team Bandtlow (5.5 m / SRV) ging leider durch eine unverschuldete Havarie ein Platz unter den ersten zehn verloren.
Das Gesamtergebnis liefert jede Menge Daten zur individuiellen Auswertung und der Suche nach einem Schuldigen: Im Zweifelfall war's der Wind – kann aber nicht sein: siehe vorheriger Abschnitt.  Also ist der Yardstick schuld. Oder die Gruppeneinteilung des Bootes. Oder das neue Segel oder das alte. Oder der Windex hat geklemmt. Oder, oder….
Vielleicht lag's aber auch einfach am Skipper und der sollte die Fehlersuche bei sich selber beginnen. Jetzt haben wir bis zum Frühjahr Zeit, Bücher über Regattataktik oder Bootstrimm durchzuarbeiten (bitte nicht nur durchlesen!) und die aktuellen Wettfahrtregeln -Segeln- zu pauken.
Einen letzten stressfreien Termin haben wir aber noch. Egal ob Flaute, Sturm oder Regen: Am 6. Oktober findet beim CYC die offizielle Abschlußfeier für die gesamte Chiemseemeisterschaft – Serie 2018 statt. Eine gute Gelegenheit, gemeinsam auf die vergangene Saison anzustoßen!

 

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