Mit denkbar schlechten Vorzeichen ging es los: am Donnerstag sah es ganz danach aus, als ob ich mit Ralf zu zweit teilnehmen würde. Ausserdem gab der Wetterbericht nichts wirklich anregendes her, Regen und wenig Wind. Naja, wer hat da schon gross Bock zum segeln? Zum Glück haben sich dann doch noch einige Mitstreiter gefunden, unser Mike musste mit einigem Nachdruck überredet werden und hat dann doch eine wichtige Rolle gespielt, dazu später mehr.

So konnten wir uns am Samstag früh mit 5 Booten im Schlepp auf den Weg zum Yacht Club Urfahrn machen. Erst mal ein dickes Lob an alle: Unser Schlepp ist inzwischen so pünktlich und gut organisiert, das es fast schon beängstigend ist! Allerdings war es auf der Überfahrt am Ende so dermaßen kalt das ich sofort mein Boot gegen einen dicken Pulli getauscht hätte..

Ich war wirklich froh als wir dann da waren und das ich einen super Liegeplatz auf der dortigen Slipanlage gefunden habe, wo ich dann später ganz entspannt trockenen Fußes aufriggen konnte. Nun ging es wie immer zum Anmelden und vor allem konnte ich mir einen heißen Kaffee holen. Gibt kaum was schöneres. Die Steuermannbesprechung hab ich geschwänzt, ich wollte rechtzeitig auf dem Wasser sein und noch einen Zeitpuffer für eventuelle technische Schwierigkeiten haben.

Wir ihr wisst, bin ich ja dieses Jahr zum ersten mal mit meinem eigenen neuen Boot am Start. Aus diesem Grund hatte ich meine Ziele für diesen ersten Lauf auch recht bescheiden gesteckt:

  1. Nichts kaputtmachen
  2. Nicht ertrinken
  3. Keine Wasserwacht
  4. Alle Bojen finden
  5. Ins Ziel kommen
  6. Nicht letzter werden

Und soviel schon mal im Voraus: Ich habe alle meine Ziele erreicht und bin stolz darauf!

Während der Vorstartphase war es sehr böig, dicke Regenwolken verdüsterten den Horizont und wehten einige gute Drücker übers versammelte Startfeld. In Anbetracht dieser Umstände und mit meinen Zielen im Hinterkopf (...nichts kaputtmachen…) habe ich ganz bequem etwas abseits des Starterfeldes beigedreht und konnte so recht entspannt beobachten wo sich die Startlinie befindet und aus welcher Richtung der Wind weht. Als es dann so langsam Zeit wurde, habe ich mich dann doch kurz mit ins Getümmel gestürzt, nur um natürlich etwas zu früh an der Startline zu sein und beim zweiten Versuch waren dann alle weg. Naja, muss ja immer Luft nach oben sein….

Durch den späten Start war ich dann natürlich voll in “dirty Air” und habe mich erstmal ein bisschen freisegeln müssen Richtung Autobahn. So richtig vorwärts ging nichts, die Rolands haben mich mit Gennaker überholt und waren auf und davon. Super Leistung von den beiden heute! Mit meinem Streckenplan haben sie auch alle Tonnen gefunden diesmal… Von Mike konnte ich mich so langsam absetzen, Basti war mal wieder über alle Berge und Ralf passte auf das niemand die Bojen zu früh wegräumt. Also alles wie immer eigentlich.

Oben nach Tonne 2 vor Seebruck konnte ich auf einen schönen Raumschotkurs abfallen und das erste mal das Potential meines neuen Bootes erahnen. Es lief super gut und ich habe bis zu Tonne 3 und 4 eine richtig schöne Lücke reingefahren. Auch an die Rolands, Yardsticktechnisch meine direkten Konkurrenten, kamen ich wieder näher ran.

Von Tonne 4 an hat der Wind dann schon deutlich nachgelassen. So habe ich mich entschieden, den direkten Kurs zwischen die Inseln zu nehmen. Mein Kat läuft zwar eine wirklich schöne Höhe am Wind, aber den Vorteil der Geschwindigkeit Raumschots kann man so natürlich nicht nutzen. Also kam das Feld mit den ganzen Dickschiffen wieder von hinten auf, und mein Vorsprung wurde immer kleiner. Am Schlimmsten war es dann an der letzten Boje. Der Wind war weg, und das letzte bisschen kam aus der falschen Richtung, nichts ging mehr bei mir.

Das Ziel war zum Greifen nah, ich bin in 2 ½ Stunden eine komplette Acht um den ganzen Chiemsee gesegelt, und liege jetzt frierend im Regen 50 m vor der Ziellinie fest. In diesem Moment, ich sage es euch ganz ehrlich, habe ich meinen Sport gehasst. Wie auch immer, irgendwie bin ich dann nach einer gefühlten Ewigkeit über die Zielline getrieben und habe mich mit offenen Segeln Richtung Herreninsel treiben lassen. Dort hab ich meinen Frust erst mal mit einem warmen Red Bull ertränkt. Eine einsame Ente hat mich besucht und mir etwas Gesellschaft geleistet. Ich habe meinen Rest Studentenfutter mit ihr geteilt und ihr meine Ganze Wut von der Seele erzählt. Danach ging es mir deutlich besser. Ausserdem hat Mike den undankbaren letzten Platz in unserer Gruppe gemacht, und mir so ermöglicht, alle meine Ziele zu erreichen. Danke Mike! Du hast was gut bei mir!

Abends hat sich dann unser kleiner verschworener Haufen zur Siegerehrung begeben. Bei den Urfahrnern gefällt es mir immer sehr gut, die Stimmung dort ist toll und die Leute nett und unkompliziert.

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